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Im Frühjahr 2002 wurde von der Kreisgruppe
Kempten-Oberallgäu des Landesbund für Vogelschutz ( LBV )
nach Rücksprache mit der Schulleitung im Glockenturm der Maria-Ward-Schule
ein Turmfalkennistkasten angebracht. In Einzelteilen wurde der Nistkasten
in den Turm getragen und dort montiert. Der Standort mit Blick über die
Stadt war - nach Auskunft des LBV - bestens geeignet, um auf eine baldige
Annahme der Nisthilfe zu hoffen.
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Weibchen
am Einflug des Nistkastens
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Im April 2004 konnte erstmals ein Turmfalkenpaar
immer wieder am und im Nistkasten beobachtet werden - gute Vorzeichen
für eine bevorstehende Brut! Die eindrucksvolle Balz, in der das Revier
abgegrenzt und die Bindung zwischen den beiden Partnern gefestigt wird,
konnte mit ihren Flugspielen vom Schulhof aus beobachtet werden.
Erste Paarungen folgten und das
Weibchen begann um den 8. Mai mit der Bebrütung von zwei Eiern. Bei
einer Kontrolle durch den LBV am 14.06.04 entstand die Aufnahme der
beiden ca. sieben Tage alten Jungvögel. Wir hoffen das Turmfalkenpaar
bleibt unserer Schule treu und sorgt auch weiterhin im Nistkasten im
Glockenturm für zahlreichen Nachwuchs.
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Die
zwei etwa 7 Tage alten Jungfalken 2004
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Angenehmer Nebeneffekt der Turmfalkenbrut ist
das nahezu vollständige Ausbleiben der Tauben, die zuvor in großer Zahl
am Schulgebäude anzutreffen waren. Als Brutplatzkonkurrent wird die Taube
von den Falken vertrieben - nicht zuletzt deshalb sind "unsere" Turmfalken
sehr willkommen und gerne gesehen.
Für 2005 plant der LBV mit Unterstützung unserer
Schule eine Kamera im Nistkasten einzubauen, um Lehrern und Schülerinnen
das Beobachten von Brut und Jungenaufzucht der Falken zu ermöglichen.
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Kennzeichen:
Grösse:
ca. 34 cm (von Schnabel- bis Schwanzspitze)
Spannweite:
ca. 75cm
Gewicht:
160 - 300 g im Jahresverlauf natürlich schwankend - Weibchen schwerer
als Männchen
Männchen (Terzel): Oberkopf
und Wangen blaugrau, Unterseite gelblich-weiss mit dunklen Flecken
Rücken rotbraun mit schwarzen Tropfenflecken, Schwanz grau mit schwarzer
Endbinde
Weibchen: Kopf,
Rücken und Schwanz rostbraun mit dichten, dunklen Flecken und dunkler
Querbänderung
Körperunterseite gelblich-weiss und stärker gefleckt als die des Männchens
Alter:
bis zu mind. 18 Jahre
Stimme:
helles "kikiki" oder langezogenes "wriiiih"
Lebensraum:
Offene, reich gegliederte Landschaft von der Küste bis ins Hochgebirge.
Als Kulturfolger auch inmitten von Dörfern und Städten.
Wanderungen:
Der Turmfalke ist teils Standvogel, teils Strich- oder Zugvogel.
Während nord- und osteuropäische Turmfalken Zugvögel sind, bleiben mitteleuropäische
Turmfalken auch den Winter über im Brutgebiet oder verstreichen nur über
kurze Distanzen um extremer Witterung zu entgehen.
Nahrung:
zu mehr als 90 % aus Mäusen bestehend, daneben auch Reptilien, Insekten
und Kleinvögel
Jagd:
Vom Ansitz oder im Flug wird der Boden nach Beute abgesucht.
Der Jagdflug wird dabei immer wieder vom typischen "Rütteln" (mit fast
senkrechter Körperachse und weit gefächertem Schwanz steht der Turmfalke
- begleitet von heftigen Flügelschlägen - in der Luft) unterbrochen -ein
charakteristisches Merkmal des Turmfalken.
Ist die Beute fixiert, stösst der Falke blitzschnell und mit grosser Wucht
herab.
Das Beutetier wird mit den Fängen gegriffen und durch Nackenbiss getötet.
Brutverlauf:
Als ursprünglicher Felsbrüter lernte der Turmfalke
in der Nachbarschaft des Menschen hohe "Kunstfelsen" wie Kirchtürme, Hochhäuser
u. ä. zur Brut zu nutzen ,sofern dort geeignete Nischen oder spezielle
Nistkästen vorhanden sind. Turmfalken sind sehr reviertreu - die Paare
benutzen den selben Nistplatz oft über lange Jahre. Auch ihrem einmal
gewähltem Partner sind die Falken meist lebenslang treu.
Balz:
Häufig schon Ende Januar bzw. Anfang Februar
oder März ( witterungsabhängig ) beginnt die Balz.
In rasanten Flugspielen umfliegen beide Partner den Brutplatz, begleitet
von lauten Rufen und direktem An-fliegen des Nistplatzes. In das Revier
eindringende Falken werden in der Regel von beiden Partnern attackiert
und vertrieben. Das Weibchen beginnt mit dem "Drehen" einer Mulde auf
dem losen Nestuntergrund, in welche später die Eier gelegt werden. Falken
bauen keine Nester, weshalb das Einbringen von Katzenstreu/Hobelspänen
in Nisthilfen sehr wichtig ist, um dem Weibchen das Formen der Nestmulde
zu ermöglichen. Zur Balz gehören auch Futtergaben vom Männchen an das
Weibchen, die am oder in Nähe des Nistplatzes erfolgen. Ist das Männchen
ein guter und geschickter Jäger und sind Beutetiere in ausreichender Zahl
vorhanden legt das Weibchen 4-6, andernfalls nur 2-3 Eier.
Paarung :
Mehrmals täglich erfolgen in der Nähe des Nistplatzes
Kopulationen, bei denen das Männchen
- auf dem Rücken des Weibchens sitzend - mit heftigen Flügelschlägen um
Balance bemüht ist.
Brut :
1 Jahresbrut - die braun und rot gesprenkelten Eier
werden fast ausschliesslich vom Weibchen bebrütet. Der Legebeginn variiert
von Ende März bis Mitte Mai. Während der gesamten Brutzeit von ca. 29
Tagen wird das brütende Weibchen vom Männchen mit Nahrung versorgt.
Nur in kurzen Pausen (Nahrungsaufnahme, Gefiederpflege) wärmt das Männchen
das Gelege.
Aufzucht der Jungen: Die ersten Tage nach dem Schlüpfen werden
die jungen Turmfalken intensiv vom Weibchen gehudert (gewärmt)
und der Terzel ist allein für die Nahrungsbeschaffung verantwortlich.
Sind die Jungen etwa 10 Tage alt, beteiligt sich auch das Weibchen mehr
und mehr an der Jagd.
Durch das anfängliche Dunenkleid der Jungfalken sprießen langsam
die ersten Federn und das Jugendkleid - das bei beiden Geschlechtern dem
des erwachsenen Weibchens ähnelt - entwickelt sich.
Musste die Beute für die frisch geschlüpften Küken noch von den Eltern
in kleine "schnabelgerechte"
Happen zerlegt werden, lernen die Jungen nun auch selbständig zu fressen.
Mit "Trockenflugübungen" im Horst wird die Muskulatur gekräftigt und mit
ca. 30 Tagen verlassen die Jungen das Nest. Auch nach Verlassen des Nestes
wird der Nachwuchs noch ca. 4 Wochen von den Eltern versorgt und auf ein
selbständiges Leben vorbereitet.

Viele Nistplätze gingen und gehen dem Turmfalken
durch das Vergittern und Verschliessen von Kirchtürmen ( um Tauben fernzuhalten
) und durch moderne Bauweise/Renovierungen verloren.
Seit einiger Zeit bemüht sich die Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu des Landesbund
für Vogelschutz e. V. (LBV) um den gezielten Schutz der schmucken Mäusejäger.
Mit speziellen Nistkästen an geeigneten Gebäuden schafft der LBV den Falken
beständige und sichere Brutplätze - so wurden z. B. in zahlreichen Kemptner
Kirchen Turmfalken-Nistkästen angebracht. Die geräumigen Kästen bieten
den Falken einen optimalen Brutplatz und verhindern durch die geschlossene
und baulichen Gegebenheiten angepasste Konstruktion ein Einfliegen der
Vögel in das Gebäude. Hinter Fenster- oder Schallöffnungen angebracht
ist an der Aussenfassade von den Nistkästen nichts zu sehen!
Aber auch andere "Kunstfelsen" wie Industrie- und Geschäftsgebäude, Hochhäuser,
Schulen etc. eignen sich als Nistkastensstandorte (hier werden die Nistkästen
auch außen am Gebäude angebracht).
Unterstützen Sie das Turmfalkenprojekt des
LBV
Wie können Sie helfen?
- durch Mitgliedschaft im LBV
- durch aktive Mitarbeit in der Kreisgruppe
- durch eine Nistkastenpatenschaft:
Neben Kirchtürmen und Industriekaminen eigenen sich im Stadtgebiet
vornehmlich Hoch- und Geschäftshäuser als Standort.
Im ländlichen Bereich vor allem Bauernhöfe und Scheunen.
- durch Erhalt extensiv bewirtschafteter Wiesen und Weiden (Jagdfläche)
- durch Verzicht auf Pestizide, Insektizide und andere Umweltgifte
- durch eine Spende an die LBV Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu
LBV - Kreisgruppe Kempten - Oberallgäu
Sparkasse Allgäu BLZ 733 500 00
Konto Nr. 320 219 157
Verwendungszweck: Turmfalke
Der LBV setzt sich für den Erhalt und Schutz bedrohter Arten und Lebensräume
ein!
Die Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu ist neben Artenschutz-Projekten - z.
B. für Turmfalke, Dohle, Waldkauz, Fledermäuse- auch bemüht durch Pacht/Kauf
und Pflege wertvoller Flächen diese langfristig zu schützen und zu erhalten
(Waltenhofner Moos, Widdumer Weiher ...)
mehr Informationen zu verschiedenen Projekten der LBV-Kreisgruppe finden
Sie unter:
http://www.lbv-kempten-oberallgaeu.de
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